Architektur und ihre Symbole

Wie zu beobachten ist, ist die Nordfassade die repräsentativste von Torre Pietra und drückt emblematisch die Stilmerkmale der steinernen Rahmen aus, die für alpine Festungsbauten im Canavese typisch sind.

Von unten beginnend, erkennt man den Fundamentblock und den erhöhten Eingang, etwa anderthalb Meter über dem aktuellen Bodenniveau. Ursprünglich war der Höhenunterschied zwischen dem Eingang im ersten Stock und dem Boden wahrscheinlich größer. Im Laufe der Jahrhunderte wurden durch Änderungen in der Nutzung der Räume und den Bau des dahinterliegenden Bauernhauses die Bodenniveaus allmählich bis zur heutigen Konfiguration verändert.

Das erste Portal hat monolithische Türpfosten und zwei horizontale Platten zur Lastverteilung im Mauerwerk; es wird von einem Bogen aus regelmäßig geformten Steinen abgeschlossen.

Die Portale im zweiten und dritten Stock sind mit einem System aus vier Steinplatten gebaut, ebenfalls mit horizontalen Elementen zur Lastverteilung. Im zweiten Stock wird das Portal von einem dreieckigen Architrav überragt, im dritten Stock von einem halbrunden Architrav.

Das Fenster im obersten Stock ist einzigartig und in keinem anderen Festungsbau der Region zu finden: Es besteht aus zwei vertikalen Türpfosten, die von einer fein gearbeiteten, doppelt gekrümmten Steinplatte überragt werden, die einen eleganten und harmonischen Bogen bildet.

Alle Portale sowie das Fenster im vierten Stock weisen lateinische Kreuze in den Stein graviert auf. Ihre Platzierung an der Hauptfassade stellt ein deutliches Zeichen von Schutz und Segen dar: ein apotropäisches Symbol, das verhindern soll, dass das Böse die Schwelle überschreitet, und Schutz vor Katastrophen und Unglücken heraufbeschwört.

Der Brunnen und der Hof

Die alten Zugänge zum Turm öffnen sich zum Hinterhof, wo sich nur wenige Meter vom Gebäude entfernt ein Brunnen befindet – heute mit Steinplatten abgedeckt – der zeitgleich mit dem Turm errichtet wurde.

Die Existenz des Brunnens zeigt die Notwendigkeit, eine unmittelbare Wasserversorgung sicherzustellen. Ursprünglich war der Turm wahrscheinlich von einer kleinen Mauer umgeben, die heute verschwunden ist. Es handelte sich dabei sicherlich nicht um eine Burganlage vergleichbar mit einem Schloss, sondern eher um eine nahegelegene Schutzbarriere. Das Vorhandensein kleinerer Bauwerke, vermutlich aus leicht verfallenden Materialien errichtet und heute völlig verloren, kann nicht ausgeschlossen werden.

Der Ingenieur Camillo Boggio erwähnt 1890 in Torri, case e castelli nel Canavese undefinierte Mauerreste.
Der Historiker Antonio Bertolotti scheint 1868 in Passeggiate nel Canavese auf Torre Pietra Bezug zu nehmen und beschreibt seine Reise von Chiesanuova nach Salto:

„Während ich den steilen Berg hinabstieg,
der von Chiesanuova nach Salto führt,
stieß ich auf die Ruinen eines kleinen Turms,
vielleicht einst Teil der Burg von Salto,
wenn nicht die Reste der ursprünglichen Burg selbst.“

Sicherlich beschreibt der Autor in diesem Abschnitt den Mauleselpfad „strada della Pietra“, den direkten Weg von Chiesanuova nach Salto, der nur wenige Dutzend Meter am Turm vorbeiführte. Im nächsten Abschnitt, im Dorf angekommen, erwähnt Bertolotti die Burg von Salto und liefert eine detaillierte Beschreibung dessen, was davon übrig geblieben war.

Heute ist der ursprüngliche Hofkontext schwer zu interpretieren, da er in den letzten fünfzig Jahren stark verändert wurde. Der Bau der Straße, die den alten Mauleselpfad ersetzt hat, hat die Landschaft erheblich verändert. Nach Aussagen der älteren Bewohner befand sich auf Höhe des Hofes eine Mauer, die den Hofboden um etwa zwei Meter gegenüber dem Mauleselpfad erhöhte.

Bibliographie

  • Caseforti Montane nell’alto Canavese. Quale futuro? – Micaela Viglino Davico

  • Appunti per una storia di Cuorgnè – Mario Bertolotti

  • Passeggiate nel Canavese – Antonino Bertolotti

  • Omaggio a Don Perotti – Erstellt von den Freunden von Don Attilio

Finanziert von:
Finanziato dall'Unione Europea - NextGenerationEU Ministero della Cultura Regione Piemonte Italia Domani
Projekt: Casa-forte di Torre Pietra [PNRR, M1C3 - Investition 2.2] finanziert von der Europäischen Union - NextGenerationEU CUP-Code: J78C22000300006
Wiederherstellung und konservative Restaurierung der Casa-forte di Torre Pietra
Unter der Aufsicht von:
SABAP Torino